Amazon Partnerlinks:  
 
 
 

Zeichenkohle - zeichnen mit Kohle

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

Möchtest du eine Frage stellen und nur eine Frage? Dann nutze unseren Gastbereich um dies OHNE Registrierung zu tun!

  • Irgendwann griff ein Steinzeitmann in die erkaltete Asche des Lagerfeuers, nahm einen verkohlten Ast und malte seine Frau zum ersten Mal eine Einkaufsliste. Und seitdem wird das Medium Zeichenkohle nahezu unverändert in der Kunst benutzt. Die Benutzung und Anwendung ist nicht schwer oder kompliziert und wenn man ein paar Grundregeln beachtet, kann man sehr schnell recht beachtliche Ergebnisse erreichen.
    Mit Kohle zeichnen

    Das Material

    Eigentlich braucht man nur wenig, um eine Kohlezeichnung anzufertigen. Trotzdem sind einige Unterschiede anzumerken. Das Wichtigste ist natürlich die Zeichenkohle. Es gibt sie in unterschiedlichen Ausprägungen:
    • Die „natürliche Zeichenkohle“ besteht aus angebrannte, verkohlen Zweigen, den sogenannten Stängeln. Die dicke variiert und kann nicht auf den Millimeter genau eingehalten werden.
    • Kohlestifte werden aus vermahlener natürlicher Zeichenkohle hergestellt. Diese wird mit einem Bindemittel gemischt, gepresst und in einen Holzmantel geklebt. Es gibt sie auch in holzlosen, Lack überzogenen Variante oder als Miene für z.B. Fallminenstifte. Stifte können unterschiedliche Härten haben; meist wird zwischen hart, mittel und weich unterschieden. Der Auftrag von Kohlestiften ist sehr viel schlechter zu verwischen
    • Reißkohle ist sehr viel dunkler. Hier wird neben dem Bindemittel noch Ruß zugegeben. Es gibt sie in Stiftform (mit Lack überzogen oder holzummantelt) oder als Stick.
    Die beste Kohle hilft nicht, wenn man nicht auch Papier hat. Grundsätzlich kann man mit Kohle auf fast jedem Untergrund zeichnen. Ich beschränke mich hier auf Zeichenpapier. Hier unterschieden wir im Wesentlichen zwischen glatteren und raueren Sorten. Je glatter ein Papier ist, desto schlechter haftet die Kohle. Bei simplem Kopierpapier reicht unter Umständen schon ein Streifen mit dem Ärmel, um eine Zeichnung auszulöschen.

    Zeichenkohle kann in Grenzen radiert werden. Der Strich mit dem Kohlestängel eher als der mit dem Kohlestift. Mittel der Wahl ist der Knetradierer. Radierkrümel fallen nicht an, er kann flächig arbeiten oder mit einer filigranen Spitze, man kann tupfend Pigment abnehmen oder reibend auch größere Flächen bearbeiten.

    Oben wurde erwähnt, dass die Zeichenkohle auf dem Papier sehr schnell verwischt. Schlecht, wenn es nicht beabsichtigt war, gut, wenn man Schattierungen erzeugen möchte. Zum gezielten Verwischen nimmt man in der Regel die Finger. Saubere Finger nehmen Pigment weg und machen heller. Man kann Estompen (Papierwischer) nutzen, einen sauberen Lappen, sehr weiche Radierer, Pinsel und wahrscheinlich noch etliche andere Materialien.
    Was nach der Methode, die ich selbst kursmäßig gelernt habe, immer benutzt wird, ist der Leinen- oder Baumwoll-Lappen. Dazu später mehr.

    Später – wenn das Bild fertig ist – wird auf jeden Fall ein Fixativ gebraucht. Aber Vorsicht: auch eine fixierte Kohlezeichnung kann noch verschmieren.

    Die Technik
    Je nachdem, mit welcher Art der Kohle (Stängel oder Stift) gezeichnet wird, gibt es unterschiedliche technische Ansätze.

    Der Kohlestift kann genauso genutzt werden wie ein Graphit- oder Bleistift. Auf glatterem Papier kann er mehr oder weniger stark verwischt und auch recht gut radiert werden. Auf rauem oder strukturiertem Papier ist es allerdings kaum möglich; beim Radieren bleiben meist noch Schatten stehen, die ohne Beschädigung des Papiers nicht entfernt werden können. In der Literatur wird in diesem Zusammenhang von „akademischen Methode“ gesprochen. Verwischen ist verpönt. Hell-Dunkel Unterschiede werden ausschließlich durch entsprechende Schraffuren erzeugt.

    Der Kohlestängel ist sehr viel flexibler: vom breiten Strich mit der Querseite bis zur feinen Linie mit einer Kante ist alles möglich. Auf sehr glattem Papier haftet die Kohle kaum. Sie könnte fast weggepustet werden. Der Auftrag ist recht blass. Auf z.B. Pastellpapier können tiefschwarze Strukturen erzeugt werden, die trotzdem noch verwischbar sind. Beim Graphitstift wird durch den Druck ein intensiverer Auftrag erreicht. Bei der Kohle sollte man dies vermeiden. Bei stärkerem Druck zerbröselt sie. Man sollte eher „schichten“: durch mehrmaliges Zeichen über die Kohle wird der Auftrag dichter, intensiver und dunkler.

    Die Arbeitsweise ist von Hell nach Dunkel und von Grob zu Fein. Wie darf man sich das vorstellen?

    Es soll eine Blume gezeichnet werden. Man kann die gesamt Blume mit dem hellsten Tonwert nach Weiß ausmalen. Darüber werden nach und nach die dunkleren Partien gemalt, bis man zum reinen Schwarz, bzw. dem dunkelsten Tonwert kommt. Übergänge oder Schattierungen entstehen durch Verwischen. Verwischen vom dunkleren ins Hellere. Glanzpunkte oder Highlights können mit dem Knetradierer leicht erstellt werden.

    Bis jetzt ist die Blume noch recht flächig. Durch Hell-Dunkel-Unterschiede kann zwar eine gewisse Körperlichkeit simuliert werden, aber feinere Details fehlen noch. Jetzt kommt der Kohlestift ins Spiel. Er erlaubt die Darstellung feiner und feinster Details. Allerdings kann – je nach Papier – nicht beliebig übereinander gezeichnet werden. Irgendwann nimmt das Papier nichts mehr an. Auch hier nicht mit Druck arbeiten, sondern mit leichter Hand zeichnen.

    Besondere Verwisch-Technik mit dem Lappen
    Diese Technik ist auf den ersten Blick eher verwirrend. Um es zu erklären bleibe ich bei dem Spiel mit der Blume. Ich zeichne mit dem Kohlestängel den ersten Entwurf der Blume, Stiel, Blätter, Blüte. Hell und Dunkel werden angedeutet. Mit dem (sauberen) Tuch wird nun kurzerhand alles verwischt oder weggewischt. Das zuerst noch weiße Papier erhält eine leicht graue Tonung. Die ursprüngliche Zeichnung ist noch als ganz leichter Schatten sichtbar.
    Jetzt kann ich darauf aufbauend neu zeichnen. Fehler in den Proportionen oder der Perspektive können korrigiert werden. Da der neue Auftrag zu dem Schatten des vorhergehenden addiert wird, ist es schon wesentlich dunkler, obwohl ich mit sehr wenig Druck gearbeitet habe. Das kann u.U. noch mehrere Male wiederholt werden.

    Bin ich zufrieden, geht es an die Detailarbeiten. Einzelne Bereiche, etwa die Struktur eines Blatts können jetzt nachgearbeitet oder verfeinert werden. Man kann weiter versuchen mit dem Lappen zu verwischen, einen Estompen benutzen oder schlicht die Finger nehmen.

    Allerfeinste Details können mit den Kohlestiften bearbeitet werden.Hier ist allerdings mit dem Verwischen meist Schluss.

    Unbedingt darauf achten: wenn man mit einem sauberen Finger über die Kohle wischt, ist der Finger dunkler und die Papier heller! Wenn man großflächig mit dem Finger verwischen will, sollte die Hand sauber, trocken und fettfrei sein. – Also öfter zwischendurch die Hände waschen. Bei mir steht neben der Staffelei eine Box mit feuchten Reinigungstüchern.

    Motiv und Grösse
    Zeichenkohle – vor allem die Arbeit mit dem Kohlestängel – ist ein relativ „grobes“ Arbeiten. Allerfeinste Details sind nicht oder nur schwer darstellbar. Für sehr detaillierte Zeichnungen muss entsprechend größeres Papierformat herangezogen werden.

    Auf einem A3 Bogen lassen sich Feinheiten eines Objekts sehr viel einfacher darstellen als es mit z.B. A5 machbar ist. Beschränkt man sich auf die Arbeit mit Kohlestiften, ist ein feineres Arbeiten auch in den kleineren Formaten machbar.

    Graphit vs. Kohle – ein Vergleich
    Wer die Arbeitsweise mit den Graphitstiften kennt, weiß was es für eine Strichelei ist, die Schattierungen eines Objekts wiederzugeben. Ob man schraffiert oder schummert, ob harte oder weiche Minen… es ist mühsam. Und mit der Zeichenkohle?

    Man zieht eine dicke Linie mit dem Kohlestängel. Von der Linie aus wischt man mit dem Finger ins Weiße und hat eine herrliche Schattierung von dunkel nach hell ohne erkennbare Abstufungen.
    Bei beiden Malmitteln sollte man darauf achten, dass man nicht unbeabsichtigt verwischt. Also beginnt der Rechtshänder oben links (der Linkshänder oben rechts) und arbeitet so weiter, dass er nicht unbeabsichtigt mit dem Ärmel über bereits gezeichnetes wischt.

    Dunkel auf Hell ist bei Zeichenkohle deckend. Man kann problemlos einen Hintergrund gestalten und darüber den Vordergrund legen, ohne dass der Hintergrund durchscheint.

    Womit beginnen
    Das ist leichter gesagt als getan. Zum einen hängt es ab von den persönlichen Vorlieben und Fertigkeiten, zum anderen von den verfügbaren Ressourcen.
    • Demjenigen, ganz neu einsteigt, empfehle ich sich für den Einstieg einige Kohlestängel zu beschaffen, unter Umständen kann auch ein Satz Kohlestifte sinnvoll sein.
    • Wer bereits über die Stifte verfügt, sollte überlegen, ob er sich zusätzlich einige Stängel dazu holt.
    • Wer sich mit den Stiften befassen möchte, braucht entweder einen Kurzkonus-Spitzer oder oder ein scharfes Messer zum Anspitzen.
    • Um die Kohlestängel in Form zu bringen reicht ein Stückchen Schmirgelpapier (gibt es auch auf einem kleinen Brettchen angetackert zum Abreißen) oder eine metallene grobe Nagelfeile (keine feine, die setzt sich sofort zu)
    • Alternativ zu Stiften können auch Kohleminen für Fallbleistifte (5,6mm Durchmesser) genutzt werden.
    • Reißkohle oder Reißkohlestifte sind für den Einstieg nicht unbedingt erforderlich.
    • Ein Knetradierer ist nach meiner Meinung unabdingbar; ein oder mehrere Estompen wäre auch keine schlechte Idee.
    Dann braucht man auch noch Papier. Es sollte nicht zu glatt sein. Auf keinen Fall satiniert. Ansonsten geht fast alles. Selbst auf Bristol-Papier erreicht man schon interessante Ergebnisse, als ideal wird in der Literatur Ingres-Papier oder gar Ingres-Büttenpapier empfohlen.

    Was malt oder besser zeichnet man für den Einstieg. Es wird allgemein dazu geraten, zunächst einfache geometrische Körper zu zeichnen: Kugeln, Würfel, Kegel, Quader. Hier können sehr gut die Verteilung von Licht und Schatten durch Verwischen und Schraffieren geübt werden.

    Zum Abschluss allgemeinere Tipps:
    • Zeichenkohle lebt von einem herzhaften und selbstbewussten Strich. Ein vorsichtiges und zögerliches Zeichnen fällt sofort auf.
    • Man sollte weichgewischten Flächen als Blickfang harte Kanten gegenübersetzen.
    • Um die Finger nicht zu sehr mit Kohle zu verschmutzen kann man – bei entsprechender Stärke der Kohlestängel – eine Bleistiftverlängerung benutzen. Es gibt auch spezielle Halterungen für Kohlestängel unterschiedlicher Stärke.
    • Es muss unbedingt vermieden werden, Kohlestaub oder abgebröckelte Stückchen weg zu pusten (könnte Speicheltröpfchen aufs Papier bringen) oder mit der Hand wegzuwischen (einiges andere wird auch verwischt. – Lieber das Zeichenblatt waagerecht stellen und von hinten dagegen klopfen.
    • Immer von weich zu hart arbeiten. Wenn man mit Stiften arbeitet: mit weich beginnen und dann ggf. härteren Stift benutzen. Wenn man Kohlestängel benutzt, erst mit diesen arbeiten und dann mit den Stiften finishen.
    • Immer von hell nach dunkel
    • Immer von grob zu fein
    Ich hoffe, dass vielleicht der eine oder die andere ein wenig von dieser - zugegeben laienhaften - Erklärung profitieren kann.

    53 mal gelesen

Kommentare 1

  • FarleFinz -

    Super geschrieben, super strukturiert damit sehr übersichtlich. Ganz gewiss fundiert und praxisnah und nicht so laienhaft wie du denkst! Wenn ich nur mehr Zeit hätte!
    Vielen Dank für dieses tolle Tutorial!

Amazon Partnerlinks: